Installationsansicht

Sweet Lies. Fiktionen der Zugehörigkeit

 

– Viola Relle & Raphael Weilguni Durchleben-Sterben

– Markues Jubilate Agno

– Jo Baer Vertical Flanking Diptych (Large, Orange)

 

photo © Simon Vogel

Jubilate Agno

Installation, 19.6. – 12.9.2021, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen

„Der mit Gleitschirmen ausgestattete Raum von Markues ist dem Lyriker Christopher Smart gewidmet und bezieht sich auf dessen Gedicht Jubilate Agno (1759–1769 geschrieben, 1939 erstmals publiziert). […] Smarts Gedicht changiert zwischen religiöser Dramatisierung und homosexuellen Anspielungen. Die von Markues im Raum drapierten Gleitschirme beziehen sich in ihrer Farbigkeit wie auch durch die angebrachten Kugelketten in Form von aufgestickten Buchstaben (FOR und LET) direkt auf das Gedicht. Im Eingangsbereich der Installation hängt der erste Schirm (FOR) schlaff an Seilen herunter und bietet eine erste visuelle Barriere, hinter der sich zwei Aquarelle befinden. Mit dem zweiten Schirm (LET) wird der hintere Teil des Raums gefasst, in dem er von Wand zu Wand locker an der Decke befestigt wurde.

Die Schirme stehen drei Aquarellen Markues’ gegenüber, die aus der Serie The Troubled Waters of Ethnic Heritage stammen. Die langen Titel dieser Arbeiten sind Zitate aus dem Umfeld der deutschen Zwangsumgesiedelten zwischen 1945 und 1950. Diese Titel haben gerade wegen ihrer Theatralik und ihres Pathos eine unangenehme Aktualität und Prägnanz. Nimmt man beispielsweise Sie hielten an und schauten uns nach, niemand wollte diese Fremden, die auch einen anderen Glauben hatten erhält die aus dem Kontext gelöste Aussage durch die globalen Migrationsbewegungen von geflüchteten Menschen in den letzten Jahren eine neue Bedeutung. […] Im Kern geht es Markues darum, zu untersuchen, ob ein Möglichkeitsraum existieren kann, der – ausgehend von der Bildkunst – durch starke Stilisierung, antisubjektive Verfahren und Deskilling geprägt ist. […]

In der Installation von Markues ist eine Arbeit von Thomas Lanigan-Schmidt platziert: Im Raum wurde unter den Gleitschirmen das stelenartige Werk A Rite of Passage: The Leprechaun (a Mischievous Irish Fairy) and the Puerto Rican Prince platziert, das stark mit Ornamentik arbeitet. Momente des Wiedererkennens und der Verschlüsselung wechseln sich ab – ebenso wie bei Markues. Während Lanigan-Schmidt seine Ornamentik stärker im religiösen Kontext ansiedelt und damit ein Spannungsfeld zwischen Katholizismus und Queerness darstellt, widmet sich Markues einer Aneinanderreihung von Ornamenten, die in Farbe und Form die Themen Gender und Herkunft behandeln. Hierfür nutzt Markues beispielsweise Bemalungen von Segelflugzeugen, Dekore von Westerwälder Steinzeug oder Muster von Kleidung. Ornamente, die von bestimmten sozialen Klassen in der Gesellschaft sprechen. Markues’ Gleitschirme arbeiten ebenfalls mit dem Ornament, wodurch sie sich einer lesbaren Autor*innenschaft entziehen und einem nicht geschlechtsspezifischen Gestus folgen.” – Auszug aus dem Blog zu Sweet Lies. Fiktionen der Zugehörigkeit 

Installationsansicht

Sweet Lies. Fiktionen der Zugehörigkeit

 

– Markues „Sie hielten an und schauten uns nach, niemand wollte diese Fremden, die auch einen anderen Glauben hatten”

– Markues Jubilate Agno

– Markues „Das Übrige erledigte die gute Luft, die schwere Arbeit und das große Gottvertrauen“

 

photo © Simon Vogel

Installationsansicht

Sweet Lies. Fiktionen der Zugehörigkeit

 

– Markues Jubilate Agno

– Thomas Lanigan-Schmidt A Rite of Passage: The Leprechaun (a Mischievous Irish Fairy) and the Puerto Rican Prince

 

photo © Simon Vogel

Installationsansicht

Sweet Lies. Fiktionen der Zugehörigkeit

 

– Markues Jubilate Agno

– Thomas Lanigan-Schmidt A Rite of Passage: The Leprechaun (a Mischievous Irish Fairy) and the Puerto Rican Prince

– Markues „Das Übrige erledigte die gute Luft, die schwere Arbeit und das große Gottvertrauen“

 

photo © Simon Vogel

Installationsansicht

Sweet Lies. Fiktionen der Zugehörigkeit

 

– Markues Jubilate Agno

– Markues „Wir stellen heute oft die Frage nach dem Lebenssinn jener im Abseits verbliebenen Menschenschicksale“

 

photo © Simon Vogel

Jubilate Agno ist Teil der Gruppenausstellung Sweet Lies. Fiktionen der Zugehörigkeit, kuratiert von Patrick C. Haas und Angela Theisen.